Postbrief
Heidrun Kaufmann aus Jena hat im Juli 1985 einen Telefonanschluss beantragt.© Heidrun Kaufmann / privat | Heidrun Kaufmann / privat

Wir haben dazu aufgerufen, sich an die hohen Zeiten des Festnetzes zu erinnern. Eine Leserin hat Briefe von der DDR-Post zu dem von ihr beantragten Telefonanschluss aufbewahrt und stellt sie hier zur Verfügung. Sie schreibt:

Am 26. Juli 1985 haben wir für unsere Wohnung im Jenaer Westviertel bei der Deutschen Post in Jena einen Fernsprechanschluss beantragt, mit dem Hinweis, dass in unserer Wohnung bereits eine Telefonleitung nebst Anschlussdose installiert ist. 

Schon einen Monat später, am 26. Juli 1985, erhielten wir dazu von der Deutschen Post Jena eine Rückmeldung mit dem Inhalt,  dass aufgrund der jahrelang vorliegenden dringenden Anträge in absehbarer Zeit mein Antrag nicht berücksichtigt werden kann.

Tatsächlich erhielten wir bis 1990 keinen Telefonanschluss. Erst Mitte 1990 hatten wir ein Festnetztelefon, aber nicht von der Deutschen Post, dem Träger des Ordens „Banner der Arbeit“.

Heidrun Kaufmann, Jena

Anm. d. Red.: Nur elf von 100 DDR-Bürgern hatten im Jahr 1989 einen Festnetz-Anschluss. Als die DDR in der Nacht zum 3. Oktober 1990 endete, lagen noch immer 1,6 Millionen Anträge zur Bearbeitung bereit. Zu DDR-Zeiten hatten Antragsteller oft jahrelang gewartet – zum Teil sogar ein Vierteljahrhundert.

Die Anfänge waren schwierig: Gleich nach dem Krieg hatten die Sowjets die Fernmeldetechnik abgebaut und mitgenommen; es handelte sich um Reparationen. Oft wurden private Telefone eingesammelt. Der Wiederaufbau der Fernmeldetechnik war beschwerlich. Und zunächst wurde weiterhin jede einzelne Verbindung „gestöpselt“. Das war die Aufgabe der „Fräuleins vom Amt“, wie sie die älteren Bürger nannten. Während im Ortsbereich in den 1950er Jahren das Selbstwahlsystem Einzug hielt, wurden Fernverbindungen weiterhin von Hand hergestellt.

Unsere Frage: Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeiten der Telefonie? Lassen Sie die Leserschaft gerne teilhaben an dem, was Sie erlebt haben – und senden Sie unter Angabe von Vor- und Zunamen, Adresse und Telefonnummer Ihren Text und gegebenenfalls auch Bilder an [email protected]