2005-01-27: Geweigert, die Waffe in die Hand zu nehmen
OSTERODE (mp/red). Heute, am 27. Januar, dem 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, finden in ganz Deutschland Gedenkveranstaltungen statt, die an die unfassbaren Greuel der Nazi-Zeit erinnern. Gab es eigentlich auch Opfer in Osterode? Dieser Frage geht seit Jahren der Osteroder Karlo Vegelahn nach. Beim Durchblättern der Akten im Osteroder Stadtarchiv stellte er. fest, dass Personen aus allen Schichten der Willkür des NS-Regime ausgesetzt waren. Im Laufe der Jahre würden viele Opfer vergessen, dazu zählten die Flüchtlinge, die erst nach 1945 nach Osterode kamen und somit nicht in den Osteroder Akten zu finden sind.
Einer davon, so Vegelahn, war der Dachdeckermeister Willi Rekett aus Pommern. Er berichtet im Jahr 1947: „Der Weltkrieg hatte mich zu einem Kriegsgegner gemacht.
Das vorhergehende Regime war ein Feind aller Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebender, und somit setzte schon im Anfang der dreißiger Jahre die Verfolgung ein, und am 24. Oktober 1936 wurde ich von der Gestapo Köslin in Pommern auf Grund des Gesetzes zum Schutz von Volk und Staat verhaftet.“ Willi Rekett war Zeuge Jehovas.
Der vierfache Familienvater kam vor das Sondergericht Stettin und wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt und anschließend dem Konzentrationslager überwiesen.
„Hier stigmatisierten die Nationalsozialisten die Häftlinge mit gesonderten Zeichen. Außer dem Judenstern wurde die in jeder Hinsicht variierende Kommunität der Häftlinge ab 1938 allmählich durch Dreiecke (Winkel) auf den blau-weiß gestreiften Sträflingsuniformen unterschieden: Rot bezeichnete Politische, Grün Kriminelle, Schwarz Asoziale, Blau Emigranten, Rosa Homosexuelle, Braun Zigeuner und Lila Zeugen Jehovas“, weiß der Osteroder Hobbyforscher. Die vehemente Weigerung beispielsweise der Zeugen Jehovas, eine Waffe in die Hand zu nehmen und ihr öffentliches Predigen wurde vom NS-Regime nicht toleriert. Willy Rekett war in den Jahren 1937 bis 1945 in Sachsenhausen, Niederhagen (Wewelsburg) und als letzte Station im KZ Ravensbrück. Von hier musste er sich mit tausenden von Häftlingen auf den Todesmarsch in Richtung Ostsee begeben. Unterwegs wurden sie durch die russischen Streitkräfte befreit.
Zunächst brachte er einen seiner Glaubensbrüder nach Tilsit und erst dann begab er sich trotz mancher Hindernisse nach Hause, also nach Schlawe in Pommern. Er schreibt in seinem Bericht: „Von meinen vier Kindern fand ich zwei vor. Meine älteste Tochter, welche durch meine Stellungnahme viele Schwierigkeiten hatte, verstarb am 5. Juni 1946. Eine zweite im Alter von 20 Jahren, ist wahrscheinlich verschleppt, der Sohn am 30. Januar 1945 eingezogen, hat bisher keinerlei Lebenszeichen von sich gegeben.“
Am 1. September 1946 verließ er Haus und Hof mit Handgepäck und kam dann nach Osterode. Fast zehn Jahre hatte er, wie er selber schrieb, „unter untragbaren Zuständen sein Leben gefristet.“ Dies alles musste er ertragen, weil er eine feste religiöse Überzeugung hatte.
Hier in Osterode war er zusammen mit Karl Minne, den er im KZ kennen gelernt hatte, maßgeblich an dem Aufbau der Gemeinde der Zeugen Jehovas beteiligt. Als schwer kranker Mann starb er am 22. Dezember 1965 in Osterode.



















































































Ich der Unterzeichnete wurde als Sohn des Maurers Friedrich Wilhelm Rekett welcher mit Selma geb. Georgi verehelicht war am 16.4.1897 zu 

































































































































































































































































































































































































































































































































